Cybercrime im Fokus – Neue Bedrohungen und wirksame Schutzmaßnahmen
Ransomware, CEO-Betrug, Phishing: Cyberkriminalität hat sich zur hochprofessionellen Industrie entwickelt. Dipl.-Physiker Helmut Brechtken, ISO/IEC 27001 Lead Auditor, gibt in der WPg einen Überblick über die wichtigsten Angriffsmuster und zeigt, wie Unternehmen mit einem integrierten Risikomanagement wirksam gegensteuern können.
Durch die Umsetzung der skizzierten Cybersicherheitsmaßnahmen können Unternehmen und Organisationen das Risiko erfolgreicher Angriffe deutlich senken und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberbedrohungen nachhaltig stärken. Trotz aller präventiven Maßnahmen bleibt ein unvermeidbares Restrisiko bestehen. Dieses lässt sich aber durch eine sorgfältige Vorbereitung deutlich mindern, sodass Unternehmen und Organisationen im Ernstfall professionell reagieren können. Ein gut aufgestelltes Risikomanagement trägt zudem dazu bei, finanzielle Schäden wirksam zu begrenzen.
Dieser Blogbeitrag wird in Kooperation mit der Fachzeitschrift „Die Wirtschaftsprüfung" zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um eine redaktionell stark gekürzte Fassung. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der WPg 9/2026, S. 570.
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Von der Manufaktur zur Industrie
Cyberkriminalität hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Was einst als handwerkliche Einzeltat begann, ist heute eine hochprofessionelle, arbeitsteilige Industrie. Im Darknet werden alle für erfolgreiche Angriffe notwendigen Module als fertige Dienstleistung gehandelt, Ransomware as a Service (RaaS) macht den Einstieg erschreckend niedrigschwellig. Gleichzeitig werden die Methoden raffinierter: Moderne Ransomware-Angriffe kombinieren die Verschlüsselung von Daten mit gezielter Ausleitung sensibler Informationen, um Opfer gleich doppelt erpressen zu können, die sogenannte Double Extortion.
Die wichtigsten Angriffsmuster
Neben Ransomware verursacht Bankdatenbetrug erhebliche Schäden. Beim Business E-Mail Compromise werden echte Rechnungen manipuliert, die Bankverbindung ausgetauscht und das gefälschte Dokument im Namen eines Geschäftspartners versendet. Verluste liegen oft im fünfstelligen Bereich, können aber Millionen erreichen und werden häufig erst spät entdeckt.
CEO-Betrug nutzt fingierte E-Mails im Namen der Geschäftsführung, um Mitarbeitende zu schnellen Überweisungen zu bewegen. Advanced Persistent Threats (APT) sind komplexe, staatlich gesteuerte Angriffe mit Fokus auf Spionage und Sabotage. Auch Insider-Betrug stellt eine Gefahr dar, etwa durch Mitarbeitende oder Dritte, die sensible Daten entwenden oder Finanzbetrug begehen.
Prävention: Sicherheitslücken konsequent schließen
Das Angriffsrisiko kann nie ganz ausgeschlossen, aber deutlich verringert werden. Effektive Prävention beginnt dort, wo Angreifer am häufigsten eindringen: Cyber-Awareness-Trainings (mindestens jährlich, mit Schwerpunkt auf Phishing und Social Engineering) und Multi-Faktor-Authentifizierung sind unverzichtbar.
Veraltete Software ist ein großes Risiko, da bekannte Schwachstellen schnell ausgenutzt werden. Regelmäßiges Patchen und Penetrationstests schließen diese Lücken. Bei Ransomware-Angriffen sind hybride Backup-Lösungen unerlässlich: Offline-Backups im Tresor ermöglichen eine schnelle Wiederherstellung.
Incident Readiness: Vorbereitung auf den Ernstfall
Auch bei optimaler Prävention bleibt ein Restrisiko. Deshalb ist die Vorbereitung auf einen Angriff ebenso wichtig wie dessen Verhinderung. Cyberversicherungen bieten neben finanziellem Schutz rund um die Uhr Zugang zu Experten. Alternativ können Retainer-Verträge mit Cybersicherheitsdienstleistern abgeschlossen werden.
Ein strukturiertes Business Continuity Management mit regelmäßig geübten Notfallplänen ermöglicht im Ernstfall eine schnelle und koordinierte Reaktion und begrenzt den Schaden.
Fazit: Risikomanagement als Chefsache
Unternehmen, die Prävention, Vorbereitung und Reaktion konsequent verzahnen, senken nicht nur das Angriffsrisiko, sie begrenzen im Ernstfall auch den finanziellen Schaden wirksam. Mit dem Inkrafttreten der NIS-2-Richtlinie am 6. Dezember 2025 sind diese Anforderungen für eine Vielzahl von Unternehmen in Deutschland nun auch gesetzlich verbindlich. Die Richtlinie fordert ein dokumentiertes Risikomanagement, konkrete Schutzmaßnahmen und die Meldung von Vorfällen an die Aufsichtsbehörden und sieht bei Verstößen persönliche Managementhaftung sowie empfindliche Sanktionen vor. Cybersicherheit ist damit endgültig Chefsache.