Mögliche Zukünfte kennen, heute besser entscheiden
Was war/ist eine konkrete Herausforderung oder Problemstellung des Kunden / Anwender / Mandanten? Ggf. was war der Grund für die Entwicklung?
Eine kleinere Organisation mit 24 Mitarbeitenden stand vor einem typischen Dilemma. Die Leitung spürte, dass sich das Umfeld stark verändert: Kundinnen und Kunden erwarten digitale Kommunikation, KI übernimmt zunehmend Routinearbeiten, der Fachkräftemarkt ist eng, und in wenigen Jahren steht ein Generationswechsel an. Nur: Wo sollte man ansetzen? Die Meinungen im Team gingen auseinander, einzelne Digitalisierungsprojekte verliefen im Sand, weil ein gemeinsam getragener Plan fehlte.
Wie wird dieses Problem gelöst? Was ist besonders an dieser Lösung / der Unterschied zu anderen Lösungen (hier keine Werbetexte, sondern sachliche neutrale Darstellung)? Ggf. auch Kooperationen bei der Entwicklungszusammenarbeit beschreiben.
Der Zukunftsnavigator ist eine kostenfreie, webbasierte Toolbox für strategische Vorausschau (englisch „Foresight“): das systematische Nachdenken über mögliche Zukünfte, um heute besser zu entscheiden. Er ist für kleine und mittlere Organisationen konzipiert. Kern ist ein KI-Assistent, der bei der Recherche von Trends hilft; dazu kommen erprobte Workshop-Methoden und Vorlagen. Anders als klassische Beratung liefert der Zukunftsnavigator keine fertige Lösung von außen. Er strukturiert die Diskussion im eigenen Team – neutral und ohne Empfehlung für bestimmte Produkte.
Wie sieht ein konkreter Anwendungsfall aus? Welche weiteren Anwendungsfälle gibt es?
Schritt 1 – Trends recherchieren: Mit dem KI-Chatbot „Foresight-Navigator“ suchte das Team nach Trends, die die Digitalisierung der eigenen Branche prägen. Die drei bis vier wichtigsten hielt es auf Trendkarten fest, druckte sie aus und ordnete sie auf einem Trendradar ein – einer Übersicht, die Trends nach Bedeutung und zeitlicher Nähe sortiert.
Schritt 2 – Szenarien entwickeln: Anschließend nutzte das Team das Scenario Game, das in der Toolbox enthalten ist. Szenarien sind keine Prognosen, sondern plausible Bilder möglicher Zukünfte. So entstanden mehrere Varianten, wie das Umfeld der Organisation in einer digitalisierten Zukunft aussehen könnte.
Schritt 3 – Folgen ableiten: Zum Schluss übertrug das Team die Szenarien auf das eigene Geschäftsmodell. Dafür nutzte es die Vorlage des Business Model Canvas – ein Raster, das auf einer Seite zeigt, für wen eine Organisation welche Leistungen erbringt und wie sie dabei arbeitet. Daraus ergaben sich priorisierte Handlungsfelder.
Für wen/ welche Bedürfnisse ist das Tool / der Service geeignet? Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Nutzergruppen?
Der Zukunftsnavigator richtet sich an kleine und mittlere Organisationen, eignet sich aber auch für größere. Kleinere Organisationen nutzen ihn meist als ersten Einstieg in eine Zukunftsstrategie. Größere setzen ihn gezielt für einzelne Bereiche oder Standorte ein um Handlungsfelder vergleichbar zu machen. Gemeinsam ist beiden der Wunsch nach einer nachvollziehbaren Entscheidungsgrundlage.
Welche Erfahrungen gab es bei der Implementierung / im Rahmen der Entwicklung der Lösung? Was funktionierte gut, was verursachte Probleme? Wie wurden die Probleme gelöst?
Anfangs war das Team skeptisch: noch ein KI-Tool? Entscheidend für die Akzeptanz war, dass alle Mitarbeitenden eingebunden waren und die Ergebnisse offen besprochen wurden – auch die unbequemen. Anspruchsvoll war der Übergang von der KI-gestützten Online-Recherche zur gemeinsamen Arbeit im Workshop: Die Vorschläge des Chatbots mussten kritisch geprüft, ausgewählt und auf die eigene Organisation übertragen werden. Positiv überrascht war die Leitung davon, wie klar die Prioritäten am Ende waren.
Worauf muss geachtet werden? Was sind Voraussetzungen / Vorüberlegungen für die Implementierung? Was muss für die Anwendung bedacht werden / was ändert sich?
Wichtig ist ausreichend Zeit: Für den Workshop sollten mindestens zwei Stunden eingeplant werden. Und: Der Zukunftsnavigator liefert Orientierung und einen Fahrplan. Die Umsetzung bleibt Aufgabe der Organisation und braucht eine verantwortliche Person im Team.
Der Zukunftsnavigator hat der Organisation keine fertige Digitalstrategie geliefert, sondern das, was vorher fehlte: ein gemeinsames Bild möglicher Zukünfte und einen Fahrplan, den das ganze Team mitträgt. Auch Kanzleien und Prüfungsgesellschaften, die vor ähnlichen Fragen stehen, finden die Toolbox kostenfrei unter zukunftsnavigator.info. Für einen ersten Workshop genügen zwei bis drei Stunden.
Dr. Gerhard Schönhofer, wissenschaftlicher Projektkoordinator am Bayerischen Foresight-Institut (BFI) der Technischen Hochschule Ingolstadt.
Gerhard Schönhofer koordiniert das BMFTR-geförderte Wissenstransferprojekt „Mensch in Bewegung“. Er leitet regelmäßig Workshops mit dem Zukunftsnavigator und bietet Zukünftelabore an, in denen verschiedenste Zielgruppen lernen, mit offenen Zukünften umzugehen.
Autor: Prof. Dr. Jan Oliver Schwarz
Forschungsprofessor | Technischen Hochschule Ingolstadt
Prof. Dr. Jan Oliver Schwarz, Forschungsprofessor für Strategische Vorausschau und Trendanalyse, Gründungsdirektor des Bayerischen Foresight-Instituts (BFI) der Technischen Hochschule Ingolstadt.
Jan Oliver Schwarz forscht und lehrt zu Strategic Foresight und begleitet Unternehmen bei Trend- und Szenarioprozessen. Er ist Mitglied im Global Foresight Network des World Economic Forum und Co-Autor des Buchs „Robust Leadership“.